Herkunft

Wo liegt die Wiege des Blauen Portugieser? Diese Frage scheint nunmehr beantwortet. Sie befindet sich in der historischen „Untersteiermark“ in Nordost-Slowenien.

Abstammungsanalysen:
Diese Analysen hatten bereits ergeben, dass der Grüne Silvaner ein Elternteil vom Blauen Portugieser ist und der Weiße Heunisch einen direkten Vorfahren des Blaufränkisch darstellt. Die Blaue Zimmettraube ist der passende zweite Elternteil der beiden Rotweinsorten. Diese schwarzbeerige Besonderheit mit weiblichem Blütengeschlecht war verschollen und wurde im Weinbaugebiet Rheinhessen vor einigen Jahre wiederentdeckt. Ihre Bestimmung als Blaue Zimmettraube, trotz der geographischen Entfernung zu Nordost-Slowenien, ist großer ampelografischer Kompetenz zu verdanken und ermöglichte erst die Auflösung der Herkunftsfrage der beiden Rebsorten.

Herkunftsvermutungen:
Schon alleine der Name „Portugieser“ nährte die Vermutung, die Sorte könnte aus Portugal stammen. Diese Annahme wurde durch alte Quellen unterstützt, nach denen der Kommerzienrat und Hofrat Johann Freiherr von Fries die Sorte von Porto in Portugal bezogen hatte. Die Ruten dieses vielversprechenden Neuankömmlings soll er 1722 den österreichischen Bad Vöslauer Winzern weitergegeben haben.

Stammbaum des Roten Portugiesers

Auffinden des Entstehungsortes:
Da von einer natürlichen Kreuzung ausgegangen wird, fahndet man nach Gebieten, in denen die Elternteile, also Blaue Zimmettraube, Weißer Heunisch und Grüner Silvaner sowie ihre Kinder, gemeinsam auftraten. Dazu ist es auch wichtig, den zeitlichen Rahmen zu definieren. Bezugnehmend auf die schriftlichen Nachweise kann man nämlich das Erstauftreten der beiden „Neulinge“ belegen. Freiherr von Fries pflanzte um 1770 den Blauen Portugieser in Vöslau an, somit existierte die Rebsorte bereits vor 1750.

Slowenien schlägt Thermenregion:
In der historischen Untersteiermark wurden die Elternteile vom Blauen Portugieser und Blaufränkisch angebaut, jedoch fehlt in diesen zwei Quellen die Beschreibung der beiden Nachkommen. Erst Trummer (1841) notierte, dass in der Untersteiermark alte Portugieser Rebstöcke in Weinbergen und Gärten stehen, was Dietl 1850 bestätigte.
Ein weiteres Argument dafür, dass die Wiege vom Blauen Portugieser tatsächlich in der Untersteiermark stand, lieferte Shams (1835) indem er aussagte, dass der Rotwein im damaligen Österreich keine oder eine untergeordnete Rolle spielte. Er berichtet: „Der Vöslauer rothe Wein ist ein Erzeugnis neuester Zeit, und zwar seit beiläufig 30 Jahren, und wird immer theurer verkauft als der weiße“.
Mittels gentechnischem Fingerabdruck können heute wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden, vergleichbar einer modernen Archäologie. Wir erhalten Angaben über die genetische Zusammensetzung unserer Rebsorten, ihre Herkunft und Migrationsrouten und über ihre Bedeutung in vergangenen Jahrhunderten.

Auszug aus „Der Winzer 11/2016″

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