Rebgeschichte

Der Blaue Portugieser ist eine alte Rotweinsorte, die in Mittel- und Südosteuropa weit verbreitet ist. Die Anbaufläche ist seit den 1990er Jahren stark rückläufig. In Deutschland wurde sie innerhalb von zehn Jahren von 5039 ha (2001) auf 3966 ha (2011) verringert, in Österreich von 2358 ha (1999) auf 1622 ha (2009).

Rotweinflaschen vor mehreren Fässern

Herkunft

Der niederösterreichische Heimatforscher Franz Langwieser schreibt im Heimatbuch von Schwadorf 1953 im Kapitel „Der Wein“: „Ein Graf von Fries war österreichischer Gesandter in verschiedenen Staaten, unter anderem auch in Portugal. Er hatte auf seinem Besitz in Vöslau Weingärten. Um 1770 oder 1780 brachte er Sorten aus dem Ausland nach Vöslau und ließ sie in seinem Weingarten anpflanzen.“

Die Sorte verbreitete sich rasch in den Weinbaugemeinden Vöslau, Baden, Sooß und Gainfarn und wurde Portugieser genannt. Weiter im Heimatbuch: „Prof. Dr. Johann Burger führte in seiner Beschreibung der in den österreichischen Weinorten vorkommenden Traubenarten im Jahre 1837 an: Portugieser sind in Österreich erst wenig bekannt und nur in den Weingärten von Baden, Soos, Vöslau und Gainfarn, vorzüglich in den drei letzten Orten wird die Rebe in großen kultiviert. Sie wird hier Portugieser genannt. Woher dieser Name rührt, konnte ich nicht erheben, nur soviel
erfuhr ich, dass Baron, nachmalig Graf Fries sie vom Ausland kommen und in seinen Weingarten von Vöslau anpflanzen ließ. Johann Baumgartner, Weinbauer und Rebschulbesitzer in Gumpoldskirchen schreibt 1856, dass Graf Fries Portugieser aus Oporto eingeführt und dass er alljährlich über 300.000 Stück Portugieserreben nach dem westlichen Deutschland und nach Steiermark geliefert habe.“

Der Landesobstbauinspektor Josef Löschnig stellte fest, dass Graf Fries auf seinem Gut in Vöslau den Blauen Portugieser zuerst weinbergmäßig um die Jahre 1770 bis 1780 angepflanzt hat, dass er von einer südlichen, unbekannten Traubensorte abstammt und von Vöslau aus seine Verbreitung über Niederösterreich, Steiermark, Deutschland usw. als beliebte Rotweinsorte, die einen milden, nicht sehr dunkel gefärbten Rotwein gibt, genommen hat. Im Handbuch des Weinbaues von Babo und Mach wird die Herkunft der Sorte mit Portugal angegeben. Überbringer ist der Gesandte Graf Fries.

Wissenwertes über den Blauen Portugieser in Österreich

In Österreich ist der Blaue Portugieser nur in Niederösterreich, und zwar im Weinviertel und vor allem in der Thermenregion, von Bedeutung. Im Jahr 2009 umfasste der Blaue Portugieser 1622 ha und 4 % der gesamten österreichischen Rebfläche und lag damit, trotz abnehmender Tendenz, hinter dem Zweigelt und dem Blaufränkischen landesweit auf Rang 3 der beliebtesten Rotweinsorten. Der Blaue Portugieser hat in Österreich stark an Bedeutung verloren: Seine Anbaufläche hat im Zeitraum von 1999 bis 2009 um 31,2 % abgenommen.

Die Sorte verteilte sich 2009 – Tendenz stark rückgängig – wie folgt auf die einzelnen Weinbaugebiete in Österreich:

Weinbaugebiet [ha Fläche]

  • Wachau:12,5
  • Kremstal: 35,5
  • Kamptal: 91,7
  • Traisental: 39,9
  • Wagram: 50,8
  • Weinviertel: 1082
  • Carnuntum: 13,8
  • Thermenregion: 266,3
  • Neusiedlersee: 0,5
  • Neusiedlersee-Hügelland: 14,8
  • Mittelburgenland: 1,7
  • Südburgenland: 1,6
  • Wien: 5
  • Südoststeiermark: 0
  • Südsteiermark: 2
  • Weststeiermark: 1
Red wine and grapes in vintage setting

Der Blaue Portugieser in der jüngeren Geschichte

15. Mai 1955 – Die Ereignisse um die Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrags in Wien 19 Uhr: Die österreichische Bundesregierung veranstaltet ein Festbankett im Zeremoniensaal von Schloss Schönbrunn. Viele Schaulustige umlagern trotz Regens das Schloss, um einen Blick auf die geladenen Gäste zu werfen. Geladen sind die vier Außenminister der ehemaligen Besatzungsmächte, ihre in Wien akkreditierten Vertreter, Nationalratspräsident Hurdes, der Vorsitzende des Bundesrates Riemer, die Obmänner der vier Nationalratsklubs, die Botschafter Österreichs in Washington, Moskau, London und Paris, und viele mehr.
Die Gäste des Banketts tragen sich im Laternensaal in ein Gästebuch aus rotem Leder ein. Eine E-förmige Tafel mit schwerem Silberbesteck für die 85 Gäste ist vorbereitet. Menü: Brandteigkrapferln mit Gansleber, Kraftsuppe mit Markscheiben, Seezungenfilet in Weißweinsauce und Spargel, Filet mit Champignons und Paradeiser, Erdäpfel, gefülltes Huhn, grüner Salat mit harten Eiern, Eiscreme und Mokka; als Weinbegleitung Dürnsteiner Katzensprung, Retzer Rotwein – Blauer Portugieser von der Winzergenossenschaft – und Hochriegel brut. Im Verlauf des Essens werden Toasts ausgesprochen.
Es spielt ein Quartett der Wiener Philharmoniker – Molotow bittet den Primgeiger Faltl um den Walzer „Wiener Blut“!

Weinmuseum Bad Vöslau

Das im ehemaligen Hauerhaus von Josef Freytag untergebrachte Weinmuseum bietet einen Überblick über die Arbeit im Weingarten einst und jetzt und die Bedeutung des Weinanbaues für Bad Vöslau. Auch erfährt man etwas über die Produktion des Schlumbergersektes anhand alter originaler Geräte. Die Erwähnung eines Weingartens in Gainfarn in einer Urkunde aus dem 12. Jahrhundert zeigt die lange Tradition des Weinbaues in unserer Gegend. Mit der Erweiterung der Weinbauflächen, der Einführung der „Blauen Portugiesertraube“ durch Graf Fries und mit Robert Schlumberger, der 1843 aus diesen Trauben weißen Schaumwein nach der Champagnermethode erzeugte, erwarb der Vöslauer Weinbau überregionalen Ruf. In manchen Gegenden Deutschlands trägt der Blaue Portugieser immer noch den Namen „Vöslauer“.

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